Rechenstörung

Wann spricht man von einer Rechenstörung (Dyskalkulie) / Rechenschwäche?

Der Begriff Rechenstörung bezeichnet eine medizinische Diagnose (ICD 10, F81.2). Es bedeutet, dass erhebliche Schwierigkeiten im Erlernen des Rechnens vorliegen (d. h. mindestens 90 Prozent der Vergleichsgruppe erzielt bessere Leistungen), die nicht durch zu geringe Beschulung oder eine verminderte Intelligenz zu erklären sind. Betroffen sind die grundlegenden Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division.

Mit einer Rechenschwäche ist eine unterdurchschnittliche Leistung in den obigen Grundrechenarten gemeint, die weniger stark ausgeprägt ist (75 bis 90 % der Vergleichsgruppe erzielt bessere Leistungen. Auch Kinder mit einer Rechenschwäche sollten individuell gefördert werden, insbesondere, wenn aufgrund ihrer Intelligenz eine bessere Leistung zu erwarten ist.

Wie äußert sich eine Rechenstörung / Rechenschwäche?

Es gibt verschiedene Merkmale, die auf eine Rechenstörung bzw. Rechenschwäche hinweisen können.

•    es wird sehr lange mit den Fingern gezählt
•    die Menge hinter einer Zahl wird noch nicht verstanden
•    die Zehnerübergänge, später Hunderterübergänge machen besondere Schwierigkeiten
•    es können Mengen schlecht eingeschätzt werden
•    sprachliche Begriffe für Mengen wie „größer / kleiner“ oder „mehr / weniger“ sind unsicher oder werden verwechselt
•    der Stellenwert einer Ziffer wird nicht beachtet, es kommt anhaltend zu Zahlendrehern, wie 43 statt 34
•    Textaufgaben machen besondere Probleme

Eventuell zeigt das Kind auch schon psychische Reaktionen, indem es Matheaufgaben vermeidet, mit Ängstlichkeit oder psychosomatischen Auffälligkeiten reagiert.

Welche Ursachen hat eine Rechenstörung?

Die Ursachen für eine Rechenschwäche können sehr vielfältig sein. Es gibt viele verschiedene Fähigkeiten, die für ein erfolgreiches Rechnen notwendig sind. Dazu gehören eine gute räumlich-visuelle Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisfunktionen sowie gute sprachliche Fähigkeiten, um nur einige zu nennen. Wenn diese bei Ihrem Kind beeinträchtigt sind, kann sich das auf die Rechenfähigkeiten auswirken. Auch ungünstige schulische Rahmenbedingungen oder familiäre Belastungen können zu einer Rechentstörung beitragen. Die individuellen Hintergründe lassen sich nur über ein persönliches Gespräch beleuchten.

Was geschieht in der integrativen Lerntherapie?

Zu Beginn steht die Erfassung des aktuellen Lernstandes Ihres Kindes. Sollten bereits andernorts Untersuchungen durchgeführt worden sein, können die Ergebnisse berücksichtigt werden. Aufbauend auf bereits vorhandenen Fähigkeiten, erfolgt die individuelle Förderplanung für Ihr Kind. Häufig geht es zunächst darum, das Fundament für erfolgreiche Rechenprozesse zu legen. Das heißt, Ihr Kind braucht ein sicheres Verständnis über die Mengen, die sich hinter den Zahlen verbergen. Es lernt den Stellenwert einer Zahl zu verstehen, dass z.B. eine 2 in den Zahlen 20 oder 200 eine andere Menge repräsentiert. Begriffe wie „größer“ „kleiner“ und das Abschätzen von Mengen werden gefestigt. So sollte auch das Aufteilen von Mengen in Teilmengen sehr sicher sein, bevor die Rechenoperationen, wie z.B. Addition und Subtraktion, geübt werden. Um diese basalen Fertigkeiten zu erarbeiten, stehen motivierende Materialien zur Verfügung.

Da für ein sicheres Bewegen im Zahlenraum, die visuell-räumliche Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielt, werden, je nach Bedarf, auch Übungen aus diesem Förderbereich integriert.

Ein sehr wesentliches Merkmal, der integrativen Lerntherapie ist die Berücksichtigung der psychischen Aspekte. Vor allem bei Kindern, die bereits Ängste oder Widerstände im Zusammenhang mit Mathematik entwickelt haben, gilt es, diese über Erfolgserlebnisse und motivierende Übungsinhalte zu überwinden. Lernfreude und Selbstbewusstsein werden so gestärkt.

Ihr Einverständnis vorausgesetzt, ist auch ein Austausch mit der Mathematiklehrerin oder dem Mathematiklehrer vorgesehen.